Im Ergebnis kann die Ausbildung der Besatzungen bereits parallel zum Zulauf der Fahrzeuge beginnen. Ausbildung und Simulation wurden von Anfang an als Bestandteil der Systementwicklung betrachtet. Bereits im Jahr 2022 formulierten die Bundeswehr und die Industrie gemeinsam das Ziel, erste Ausbildungsmittel noch vor der Auslieferung der ersten Fahrzeuge bereitzustellen.
Die Entwicklung des AGSW begann nach Vertragsschluss Anfang 2024 und wurde im Juli 2026 abgeschlossen. Die enge Zusammenarbeit von Rheinmetall mit der Infanterieschule und dem Amt für Heeresentwicklung in der Konzeptionsphase ermöglichte es, die Anforderungen der künftigen Nutzer frühzeitig in die Entwicklung einfließen zu lassen.
Ein erster Baustein der zweistufigen Ausbildungslösung steht der Jägertruppe bereits zur Verfügung. Zwischen September 2025 und April 2026 wurden die Handlungstrainer an die Jägerbataillone ausgeliefert. Damit kann die Ausbildung der Besatzungen wie geplant bereits vor dem Zulauf der ersten Fahrzeuge beginnen. Die Übergabe des ersten AGSW an die Infanterieschule ist für Herbst 2026 vorgesehen.
Das AGSW ist das Herzstück der Ausbildungslösung: Der hochrealistische Schieß- und Gefechtssimulator besteht aus einer Leitungs-, Auswerte- und Kontroll¬station sowie aus vier Kampfräumen. Fahrzeuginterieur, Fahrzeuglogik,
Bedienabläufe, Richtverhalten, Fahrdynamik und Ballistik werden darin realitätsnah simuliert. Die Ausbildung reicht von der Schulung einzelner Besatzungs¬mitglieder über das Zusammenspiel der gesamten Besatzung bis hin zu taktischen Verfahren und komplexen Szenarien auf Zugsebene.
Die Simulatoren sind für die Vernetzung mit „Infanterie-Desktoptrainern“ vorbereitet. Dadurch lässt sich auch das Zusammenwirken von Fahrzeugbesatzungen und abgesessener Infanterie trainieren. Der desktopbasierte Handlungstrainer nutzt dieselbe Simulationssoftware und Bedienlogik wie der AGSW und bildet somit den Einstieg in die weiterführende Ausbildung.
Beide Systeme ermöglichen zudem das eigenständige Erstellen und Anpassen virtueller Geländeräume durch die Nutzer. So können beispielsweise künftige Einsatzräume nachgebildet und Marschwege, Stellungen sowie taktische Verfahren bereits vor einem möglichen Einsatz trainiert werden.
Das AGSW baut konzeptionell auf dem von Rheinmetall entwickelten Ausbildungsgerät „Schieß- und Gefechtsausbildung Schützenpanzer Puma” (AGSP) auf. Das System hat 2025 einen wichtigen Meilenstein erreicht und befindet sich inzwischen in der Serienfertigung. Auf dieser technologischen Basis entstehen auch Ausbildungslösungen für weitere Fahrzeuge der Bundeswehr. Perspektivisch sollen Jäger, Panzergrenadiere und Heeresaufklärer an ihren Standorten über eigene Ausbildungsmittel verfügen.
Im Juli 2026 bestätigte der zuständige Projektleiter des BAAINBw offiziell das erfolgreiche Bestehen des FAT. Bis Mitte 2027 sollen insgesamt fünf AGSW-Systeme an die Nutzer übergeben werden. Nach der Funktionsprüfung und Abnahme an den jeweiligen Standorten werden die Simulationssoftware des Handlungstrainers und des AGSW an den finalen Konstruktionsstand des schweren Waffenträger angepasst und als einheitliche Version ausgerollt.
Damit entsteht eine durchgängige Ausbildungslösung nach dem Prinzip „Train as you fight” und es wird eine wichtige Voraussetzung geschaffen, damit die Besatzungen bereits vor dem ersten Einsatz des neuen Waffensystems realitätsnah ausgebildet werden können.
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