Die Vegetationsperiode dauert heute 26 Tage länger als 1961
Das Umweltbundesamt misst den Beginn am Blühbeginn des Huflattichs und das Ende am einsetzenden Blattfall der Stieleiche. Laut dem Indikator hat sich der so bestimmte Zeitraum seit 1961 im Mittel um mehr als 26 Tage verlängert. Der Blühbeginn vieler Pflanzenarten liegt heute 12 bis 22 Tage früher als um 1960, der Blattfall der Stieleiche setzt rund sieben Tage später ein. Beide Bewegungen zusammen ergeben den Rekordwert des Jahres 2024.
- Länge im Jahr 2024: rund 248 Tage, höchster Wert der Zeitreihe seit 1961.
- Verlängerung im Trend seit 1961: mehr als 26 Tage.
- Blühbeginn vieler Arten: 12 bis 22 Tage früher als um 1960.
- Blattfall der Stieleiche: rund sieben Tage später als zu Beginn der Messreihe.
Warum der Frühling die Verschiebung stärker treibt als der Herbst
Der Zugewinn verteilt sich ungleich über das Jahr. Das vorgezogene Frühjahr trägt den größeren Teil, das verzögerte Herbstende den kleineren. Für den Anbau bedeutet das ein früheres, aber empfindlicheres Startfenster: Wer Jungpflanzen zeitiger ins Freie setzt, trifft häufiger auf späte Frostnächte. Ein früher Austrieb erhöht damit das Risiko von Schäden genau an den Kulturen, die vom längeren Zeitraum profitieren sollen.
„Eine längere Saison ist kein geschenkter Ertrag. Sie verschiebt vor allem das Risiko nach vorn, und wer das nicht einplant, verliert im April, was er im März gewonnen hat“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Was die Zahlen aus Hessen über die Spannweite zeigen
Regionale Messreihen zeigen dieselbe Richtung, aber deutlich schwankende Einzeljahre. Nach Angaben des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie dauerte die Wachstumszeit in Hessen im Jahr 2024 insgesamt 231 Tage und damit so lang wie nie seit Messbeginn. Das kürzeste erfasste Jahr war 1986 mit 180 Tagen. Zwischen beiden Werten liegen 51 Tage, also gut sieben Wochen Unterschied zwischen zwei Jahren derselben Messreihe.
Anbau unter Glas gleicht einen Teil der Schwankung aus
Ein Gewächshaus entkoppelt die Kultur von einem Teil dieser Schwankung. Es puffert Nachtfröste im Frühjahr ab und hält im Herbst Wärme, wenn die Außentemperatur bereits fällt. Für frostempfindliche Kübelpflanzen, die den Winter überstehen sollen, kommt zusätzlich eine Orangerie im T-Modell aus Aluminium infrage, die als Anbau an eine bestehende Wand gesetzt wird. Die Bauform bestimmt dabei, wie viel Wärme in der Nacht gehalten wird und wie stark im Sommer gelüftet werden muss.
Die Zeitreihen des Umweltbundesamtes und der hessischen Landesbehörde beschreiben einen Trend, keine Garantie für das kommende Jahr. Sie liefern aber eine belastbare Größenordnung dafür, wie weit sich Anbaufenster in sechs Jahrzehnten verschoben haben, und machen die Wahl zwischen ungeheiztem und beheiztem Anbau unter Glas zu einer Rechnung mit bekannten Werten.
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