• Aktuelle HBW-Umfrage unter Mitgliedern: Innenstadthändler mit drastischen Umsatz- und Frequenzeinbußen nach Teil-Lockdown – Textil-, Sportwaren, Schuhe und Lederwaren außergewöhnlich stark betroffen
  • Exklusive Konsumentenbefragung von HBW & DHBW Stuttgart: Trotz Corona: Verbraucher wollen bis zu 400 Euro pro Person für Weihnachtsgeschenke ausgeben und verstärkt vor Ort einkaufen gehen

Die Händlerinnen und Händler in Baden-Württemberg blicken auf das dramatischste und turbulenteste Geschäftsjahr ihrer Geschichte zurück. Nach dem ersten Corona-Lockdown im April und der nicht selbstverschuldeten Zwangs-Schließung von sogenannten nicht-systemrelevanten Geschäften sahen sich viele Händler mit wochenlangen Umsatz- und Frequenzeinbußen von 100 Prozent konfrontiert. Auch nach dem zweiten Teil-Lockdown Anfang November, bei dem Einzelhandelsgeschäfte dieses Mal geöffnet bleiben durften, sind Teile der Innenstadthändler von einem dramatischen Rückgang von Umsatz und Frequenz stark betroffen. Weitere Verschärfungen der Corona-Regeln, wie sie beim Gespräch an diesem Montag zwischen Bund und Ländern von Kanzlerin Angela Merkel geplant waren, konnte die Konferenz – zum Glück für den Handel – vorerst abschmettern. Der Handelsverband Baden-Württemberg (HBW) hob dies lobend hervor und bedankte sich dafür. Trotzdem: Das für die Händler existentiell wichtige Weihnachtsgeschäft wird in diesem Jahr sehr schwierig, wenngleich die Konsumenten in Baden-Württemberg keine Abstriche bei ihren Weihnachtsausgaben machen wollen.

Dies fand der Handelsverband Baden-Württemberg (HBW) in einer aktuellen Blitz-Umfrage unter knapp 400 Händlern im Südwesten heraus. Über 40 Prozent der Geschäfte klagte in den ersten Wochen nach dem Teil-Lockdown über einen Umsatz- und Frequenzverlust von 30 bis über 50 Prozent, weitere 25 Prozent von einem Minus in Höhe von über 50 Prozent.

„Das sind schwierige Zahlen, wenn man bedenkt, wie niedrig die Margen im Handel sind, da bedeuten bereits einstellige Minuszahlen beim Umsatz ein großes Problem“, sagt HBW-Präsident Hermann Hutter und ergänzt, mit Blick auf die Verbraucher: „Die Kunden sind verunsichert, so berichten es uns die Händler. Gleichzeig ist die Gastronomie komplett geschlossen, aber wir betonen: Alle Geschäfte haben weiterhin geöffnet und sind mit umfangreichen Hygieneschutzkonzepten und überschaubarer Frequenz so sicher, wie sonst nirgends!“

Der HBW erneuerte seine klare, von den Einzelhändlern aufgestellte Forderung, auch den betroffenen Innenstadteinzelhandel in ein staatliches Nothilfeprogramm aufzunehmen und jede mögliche finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen.

Der dringende Appell geht auch an die Städte und Kommunen. „Wenn die Händler geöffnet haben, muss auch die kommunale Politik die Öffnung der Läden positiv kommunizieren und unterstützen, beispielsweise durch kommunale Werbekampagnen, Weihnachtsbeleuchtung, kostenloses Parken im November und Dezember, kostenlosen ÖPNV, durch Einkaufsschecks für die Bürger oder ähnliche Maßnahmen“, so HBW-Präsident Hutter.

Wie dies aussehen kann? Der Handelsverband macht es mit einigen Partnern sowie eigenen, kostenlosen Unterstützungsmaßnahmen vor. Gemeinsam mit Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten, Stuttgarter Wochenblatt, Hitradio Antenne 1, Top-Magazin, Radio Regenbogen und Radioton hat der HBW eine crossmediale Offensive gestartet, um die Händler in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen. Das Kampagnenkonzept „KAUF VOR ORT“ bietet eine starke Wiedererkennung und dem Einzelhandel regionale Reichweite und konsumstarke Zielgruppen mit der Möglichkeit, wichtige Abverkaufs-Impulse für das enorm wichtige Vor- und Weihnachtsgeschäft zu setzen.

Parallel dazu läuft außerdem die HBW-Werbekampagne „Nicht nur klicken, sondern auch anfassen“, die bundesweit seit zwei Monaten schon am Start ist.

Exklusive Konsumentenbefragung von HBW und DHBW: Verbraucher wollen bis zu 400 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben

Optimistischer fällt der Blick aufs Weihnachtsgeschäft nach Auswertung der diesjährigen exklusiven Konsumentenbefragung von DHBW und HBW unter 1604 Befragten aus. Demnach hat die Mehrheit von ihnen Weihnachtsgeschenke in Höhe von 380 Euro eingeplant – etwa genau so viel wie im vergangenen Jahr, als 1092 Konsumenten befragt wurden. „Die Kunden lassen sich im diesjährigen Weihnachtsgeschäft von Corona nicht beeindrucken“, sagt Prof. Andreas Kaapke, Leiter des Studiengangs BWL-Handel an der DHBW Stuttgart und federführend bei der Umfrage. Eine große Anzahl an Kunden (25 Prozent) geben das meiste Geld für Weihnachtsgeschenke in der Innenstadt des jeweiligen Wohnorts aus. Diese Absicht der Befragten bedeutet eine klare Stärkung des Innenstadthandels. Im vergangen Jahr wollten lediglich 20 Prozent der Befragten in der Innenstadt auf Geschenksuche gehen – in diesem Jahr sind es fünf Prozent mehr. Zwar wollen 37 Prozent das meiste Geld für Weihnachtsgeschenke in Online-Shops ausgeben. Doch der Innenstadthandel wird mit einem Plus von fünf Prozent bei den Befragten der DHBW immer beliebter. „Die Aussagen unserer Befragten stärken ganz klar die Beliebtheit des stationären Handels vor Ort“, so Kaapke.

Wie viele Weihnachtsgeschenke kauft der oder die Einzelne? Die Mehrheit plant, in diesem Jahr für vier bis sechs Personen Geschenke zu besorgen. Frauen besorgen häufiger für mehr Personen Geschenke als Männer: Mehr als die Hälfte der Frauen besorgt für sieben und mehr Personen Geschenke. Von den Männern tut dies nur rund ein Viertel.

Weihnachtsgeschenke auf den letzten Drücker besorgen? Das macht laut Umfrage nur eine Minderheit. Fast die Hälfte der Befragten gehen ab November auf Geschenkesuche. Männer sind meist später dran mit dem Weihnachtseinkauf als Frauen: Rund 45 Prozent der befragten Männer geht erst im Dezember Weihnachtsgeschenke kaufen. Mit Blick auf das Alter gehen tendenziell die jüngeren später Geschenke einkaufen als ältere Personen.

Übrigens: Die Renner unter den Weihnachtsgeschenken sind auch in diesem Jahr wieder Kosmetik, Parfüm und Körperpflege sowie Schokolade und Pralinen.

Aufruf an alle

„Der lokale Innenstadthandel muss jetzt unterstützt werden“, fordert der HBW eindringlich. „Sowohl von der Politik, indem er die betroffenen Händler in die Novemberhilfe einbringt – und/oder die Zugangsvoraussetzungen zur Überbrückungshilfe so gestaltet, dass sie auch beim betroffenen Einzelhandel aller Betriebsgrößen ankommt.

Und wir brauchen die Unterstützung der Kommunen und vor allem der Verbraucher. Wer den lokalen Handel auch nächstes Jahr möchte sowie die Innenstädte strukturell erhalten will, der erledigt seinen Weihnachtseinkauf bei Händler vor Ort, digital, telefonisch oder analog!“

Über den Handelsverband Baden-Württemberg e.V.

Der HBW ist der Spitzenverband für den Einzelhandel in Baden-Württemberg und vertritt die politischen Interessen von über 40.000 Handelsunternehmen in Baden-Württemberg gegenüber Politik und Gesellschaft. Der Handel stellt den drittgrößten Wirtschaftszweig in Baden-Württemberg dar mit 500.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern, ca. 18.000 Auszubildenden und einem Umsatz von ca. 90 Mrd. Euro. Alle Informationen unter www.hv-bw.de.

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