Wer mit einem Elektroauto unterwegs ist, sollte keinesfalls nur auf Reichweite, Ladeleistung und die Dichte des öffentlichen Ladenetzes achten. Auch die Wahl des passenden Tarifs wirkt sich spürbar auf die laufenden Kosten aus. Der aktuelle Test der Redaktion connect zeigt: Je nach Fahrprofil können zwischen einem günstigen und einem ungünstigen Angebot über 800 Euro pro Jahr liegen.

Für die Analyse hat die Redaktion gemeinsam mit den E-Mobilitäts-Experten von umlaut, Teil von Accenture, zahlreiche Ladetarife und -angebote untersucht. Die Redaktion berechnete die jährlichen Kosten für drei typische Nutzergruppen: Laternenparker, Durchschnittsfahrer und Vielfahrer. Zusätzlich wurden Ad-hocAngebote für AC- und HPC-Laden bewertet. Die Preise und Konditionen wurden zum Stichtag 18. September 2026 erhoben. Die zentrale Erkenntnis: Den universell besten Ladetarif gibt es nicht. Entscheidend ist, wo, wie oft und mit welcher Ladeleistung ein Elektroauto geladen wird. Ein Tarif, der für einen Vielfahrer besonders günstig ist, muss für einen Nutzer mit eigener Wallbox oder für einen Laternenparker nicht die beste Wahl sein. Neben dem Energiepreis flossen deshalb auch Grundgebühren, einmalige Kosten, Blockiergebühren, Authentifizierungsmöglichkeiten und die Transparenz der Tarifstruktur in die Testbewertung ein.

Aldi Süd gewinnt beim vertragsfreien Laden

Wer gelegentlich an einer fremden Ladesäule laden muss und dafür keinen passenden Vertrag oder die entsprechende Ladekarte besitzt, greift zum Ad-hocLaden. Diese Möglichkeit ist praktisch, sollte aber nach Einschätzung von connect die Ausnahme bleiben. In der Regel ist das direkte Bezahlen mit Bank- oder Kreditkarte, per App oder über eine Website teurer als mit einem passenden Ladetarif.

Beim vertragsfreien Stromzapfen an AC-Säulen teilen sich Aldi Süd, Kaufland und Lidl den Testsieg. Alle drei Anbieter erreichen mit einem Energiepreis von 29 Cent pro Kilowattstunde und ohne zusätzliche Blockiergebühren im Test die Bewertung „überragend“ mit jeweils 1000 Punkten. Aldi Süd bietet rund 1750 AC-Ladepunkte, Kaufland mehr als 340 Filialstandorte und Lidl rund 2400 Ladepunkte an mehr als 700 Filialen. Beim spontanen HPC-Laden liegt Aldi Süd mit 949 Punkten vorn und erhält das Testurteil „sehr gut“. Der Anbieter verlangt 44 Cent pro Kilowattstunde beim DC-Laden und 47 Cent an HPC-Ladepunkten. Auf den weiteren Spitzenplätzen folgen Jet Strom mit 935 Punkten, Lidl mit 891 Punkten und Tesla mit 862 Punkten – jeweils ebenfalls mit dem Testurteil „sehr gut“.

Die großen Schnellladenetze unterscheiden sich massiv, was die Preise angeht. Während Aldi Süd, Jet Strom und Lidl vergleichsweise günstig abschneiden, sind die Angebote von EnBW, Ionity, Aral Pulse, Fastned und anderen Anbietern je nach Ladepunkt teilweise deutlich teurer. Beim Ad-hoc-Laden empfiehlt sich deshalb ein kurzer Preisvergleich unmittelbar vor dem Start des Ladevorgangs.

Laternenparker: Mercedes vor EWE Go

Für Laternenparker ist ein günstiger und verlässlicher Ladetarif besonders wichtig. In der Modellrechnung werden 95 Prozent der benötigten Energie öffentlich geladen. Angenommen wurde ein elektrischer Kleinwagen mit 55-kWh-Batterie, einem Verbrauch von 20 kWh je 100 Kilometer und einer Jahresfahrleistung von 10.000 Kilometern. Berücksichtigt wurden regelmäßige AC-Ladevorgänge sowie zusätzliche HPC-Ladungen. Der Testsieg geht an Mercedes mit dem Tarif MB.Charge Public L und 873 Punkten. Das Angebot erhält das Urteil „sehr gut“. In der Modellrechnung entstehen Gesamtkosten von 1043 Euro pro Jahr. Der Tarif profitiert von günstigen Ladepreisen im Mercedes-Benz Charging Network und unterstützt sowohl eine kostenlose Ladekarte als auch Plug & Charge.

Rang zwei erreicht EWE Go mit 840 Punkten und dem Urteil „gut“. Das markenunabhängige Angebot verursacht in der Modellrechnung 1164 Euro pro Jahr. E.ON folgt mit dem grundgebührenfreien Tarif Drive Light und 769 Punkten. Hier kostet das Laden für Laternenparker 1140 Euro pro Jahr, etwas schlechtere Serviceangebote führen jedoch zum dritten Platz. Das Angebot ist ebenfalls mit „gut“ bewertet. Die übrigen getesteten Tarife schneiden überwiegend befriedigend ab. Auffällig ist aber der große Abstand von Vattenfall zu den anderen Testteilnehmern: Der Tarif InCharge kommt wegen der variablen und im Vergleich hoher Preise nur auf 334 Punkte und das Testurteil „mangelhaft“. Für diesen Tarif weist die Modellrechnung jährliche Kosten von 1852 Euro aus. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot liegen somit 809 Euro.

Der connect-Test zeigt, dass ein Elektroauto auch ohne eigene Wallbox sinnvoll betrieben werden kann. Für Laternenparker ist die Auswahl des Tarifs besonders relevant, weil sie einen großen Teil der benötigten Energie an öffentlichen Ladepunkten beziehen müssen.

Durchschnittsfahrer: EWE Go an der Spitze

Für den Durchschnittsfahrer wurde ein Mittelklasse-Stromer mit 70-kWh-Batterie und einem Verbrauch von 20 kWh je 100 Kilometer zugrunde gelegt. Die angenommene Jahresfahrleistung beträgt 15.000 Kilometer. 80 Prozent der geladenen Energiemenge werden zuhause, am Arbeitsplatz oder in vergleichbaren Situationen geladen. Öffentlich verbleiben 20 Prozent: fünf Prozent an AC- und 15 Prozent an HPC-Ladepunkten.

In diesem Szenario ist EWE Go der Testsieger. Der Tarif erreicht 940 Punkte und das Urteil „sehr gut“. Mit 372 Euro pro Jahr liegen die berechneten Gesamtkosten niedriger als bei den meisten Wettbewerbern. Zudem punktet EWE Go mit einem breiten Partnernetzwerk und einem transparenten Tarifmodell. E.ON Drive Light folgt mit 850 Punkten und ebenfalls der Note „sehr gut“. Mercedes MB.Charge Public L erreicht 821 Punkte, EnBW mit dem Ladetarif S 810 Punkte. Beide Angebote werden mit „gut“ bewertet. Für EnBW-Energiekunden kann sich die Wahl des hauseigenen Tarifs lohnen, da der Anbieter auf die kWh-Preise einen Rabatt von zehn Prozent gewährt.

Die Kostenunterschiede fallen auch beim Durchschnittsfahrer deutlich aus. Zwischen dem günstigsten Angebot von EWE Go und dem teuersten Tarif im Vergleich, Elli Ionity Ultra, liegen in der Modellrechnung 179 Euro pro Jahr. Der Test macht deutlich, dass sich eine Tarifoptimierung nicht nur für Vielfahrer lohnt. Auch bei überwiegendem Laden zuhause können öffentliche Ladevorgänge relativ teuer werden, wenn der Tarif nicht zum realen Nutzungsverhalten passt.

Vielfahrer sparen besonders viel

Für das Profil „Vielfahrer“ wurde ein Elektrofahrzeug der Premiumklasse mit 100kWh-Batterie und einem Verbrauch von 22 kWh je 100 Kilometer zugrunde gelegt. Die Jahresfahrleistung beträgt 25.000 Kilometer. 60 Prozent der Lademenge werden öffentlich bezogen: 20 Prozent an AC- und 40 Prozent an HPC-Ladepunkten.

In diesem Szenario gewinnt Mercedes. Der Tarif MB.Charge Public M erreicht 880 Punkte und erhält das Urteil „sehr gut“. Die jährlichen Gesamtkosten liegen in der Modellrechnung bei 1790 Euro. Ausschlaggebend sind vor allem die günstigen Ladepreise im Mercedes-Benz Charging Network und die komfortable Unterstützung automatischer Authentifizierungsverfahren. EWE Go folgt mit der Testnote „sehr gut“, 851 Punkten und einem Jahresaufwand von 1987 Euro. Der Porsche Charging Service Plus erreicht 847 Punkte, E.ON Drive More 820 Punkte – beide erzielen die Testnote „gut“. Alle vier Angebote richten sich vor allem an Nutzer, die regelmäßig öffentliche Ladepunkte und Schnellladenetze verwenden.

Die größten Unterschiede zeigen sich beim Vergleich mit den teuersten Angeboten. Für den Tarif eCharge des ADAC (Testurteil: „befriedigend“) errechnet connect bei diesem Fahrprofil jährliche Kosten von 2425 Euro. Gegenüber dem Testsieger ergibt sich eine Differenz von 635 Euro. Hier wird besonders deutlich, wie stark sich Grundgebühren, kWh-Preise und Zusatzkosten bei einer hohen Ladeleistung und zahlreichen Ladevorgängen summieren können.

Die Kosten sind nicht alles

Neben den Energiekosten bewertete connect auch die Tarifstruktur. Eine übersichtliche Preisstaffelung, transparente Bedingungen und nachvollziehbare Blockiergebühren erleichtern die Nutzung im Alltag. Unübersichtliche RoamingPreise oder variable Kosten können jedoch dazu führen, dass der tatsächliche Preis erst unmittelbar vor dem Laden erkennbar wird. Auch die Authentifizierung spielt eine Rolle. Mehrere Anbieter unterstützen Plug & Charge oder Autocharge. Dabei erkennt die Ladesäule den Nutzer beziehungsweise sein E-Auto automatisch, sodass eine Authentifizierung per Ladekarte oder App entfällt. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Funktion von Fahrzeug, Ladesäulenbetreiber und Ladetarifanbieter unterstützt wird.

Im Alltag kann der Einsatz mehrerer Ladekarten sinnvoll sein. Eine Hauptkarte deckt häufig die wichtigsten Ladepunkte ab. Eine zusätzliche Karte ohne Grundgebühr kann als Ausweichmöglichkeit dienen, wenn die bevorzugte Karte an einer Säule nicht akzeptiert wird oder der Preis dort deutlich höher liegt. Für Neuwagenkäufer können vergünstigte Herstellerangebote interessant sein, bei denen beispielsweise im ersten Jahr die Grundgebühr entfällt. Vorsicht ist beim Bezahlen per QR-Code geboten. connect warnt ausdrücklich vor sogenanntem Quishing, also manipulierten QR-Codes an den Ladesäulen. Nutzer sollten QR-Codes möglichst nur dann scannen, wenn sie im Displaymenü der Säule angezeigt werden. Aufgeklebte oder anderweitig veränderte Codes können auf gefälschte Webseiten führen, über die sensible Zahlungsdaten abgegriffen werden.

connect Testfazit

Der connect-Test zeigt, dass die Auswahl des richtigen Ladetarifs ebenso sorgsam erfolgen sollte wie die Wahl des Elektroautos. Laternenparker sollten sich nach einem leistungsfähigen Tarif für öffentliche AC- und HPC-Ladepunkte umsehen. Durchschnittsfahrer profitieren von grundgebührenfreien Angeboten mit günstigen Roaming-Preisen. Vielfahrer sollten gezielt die Tarife mit niedrigen HPC-Preisen und attraktiven Konditionen an häufig genutzten Ladeparks vergleichen.

In der Endabrechnung liegt Mercedes bei zwei der drei Nutzungsprofile vorn. EWE Go gewinnt bei den Durchschnittsfahrern. Beim spontanen Laden ohne Vertrag überzeugt Aldi Süd sowohl an AC- als auch an HPC-Ladepunkten. Unabhängig vom Fahrprofil gilt: Wer regelmäßig öffentlich lädt, kann mit einem passenden Tarif mehrere Hundert Euro pro Jahr sparen.

Der komplette Ladenetztest mit allen Einzelwertungen für Deutschland, Österreich und die Schweiz erscheint in der Ausgabe 11/2026 von connect (EVT: 05.10.26) und auf connect.de.

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