Deutschland hat Menschen, die Verantwortung übernehmen können. Doch in vielen Organisationen verhindern Strukturen, Routinen und alte Führungsbilder, dass daraus wirksame Leadership entsteht. Das zeigte die Live-Sendung auf LinkedIn: „Zukunft Personal Nachgefragt“ vom 28. Juli unter dem Titel „Kann Deutschland Leadership?“.

Im Mittelpunkt standen zentrale Fragen zu Führung, Zukunftsfähigkeit und Organisationsentwicklung: Wie entsteht Leadership ohne klassische Autorität? Welche Rolle spielen psychologische Sicherheit, Zukunftsdenken und KI-Kompetenz? Und warum übernehmen Menschen im Ehrenamt oder in Krisen Verantwortung, während sie im Unternehmensalltag oft an Hierarchien und Prozessen scheitern?

Leadership braucht Zukunftsverantwortung

Dr. Frederik G. Pferdt, ehemaliger Chief Innovation Evangelist von Google und langjähriger Stanford-Lehrender, stellte klar: Leadership ist keine Frage von Status, sondern von Verantwortung für die Zukunft. Organisationen verharrten oft in der Vergangenheit, obwohl Innovation eine neue Haltung verlange. Entscheidend sei eine Kultur, in der Fehler angesprochen werden dürfen und Lernen möglich ist. Psychologische Sicherheit ist aus seiner Sicht eine zentrale Voraussetzung für Innovation und moderne Führung.

Führung braucht Menschenkenntnis

Katharina Bähr, Head of People and Culture Recruiting & Employer Branding bei der Contabo Group, sieht Leadership in Deutschland differenziert. Vor allem in Konzernen erschweren starre Strukturen, Hierarchien und persönliche Machtmuster zeitgemäße Führung. Sie plädiert für getrennte Karrierepfade für Fach- und Führungsrollen sowie für Coaching, Training und Entwicklung. Gute Führung erfordere Lernbereitschaft, Empathie und die Fähigkeit, auf unterschiedliche Persönlichkeiten einzugehen.

Followership entscheidet über Wirkung

Autor und Professor Karlheinz Schwuchow betonte, dass Leadership immer auch Followership braucht. Führung wirke nur dann, wenn Menschen Vertrauen fassen, Sinn erkennen und Verantwortung mittragen. Ohne diesen Rückhalt bleibe Führung eine Ansage ohne Wirkung. Gleichzeitig fordert Schwuchow klare Standards, Selbstreflexion und professionelle Führungskräfteentwicklung.

Organisationsdesign schafft Leistung

Joachim Rotzinger, CEO von Ingentis, verknüpft Leadership mit Organisationsdesign. Unternehmen sollten Organisationen nicht als selbstverständlich leistungsfähig betrachten, sondern bewusst so gestalten, dass Effizienz, Zielorientierung, Anpassungsfähigkeit und Innovation entstehen. Leistung entsteht nicht durch Aktivität allein, sondern durch Strukturen, die Wirkung ermöglichen.

KI-Kompetenz wird zur Führungsfrage

Thomas Jenewein von SAP und Robindro Ullah, Geschäftsführer der Trendence Institut GmbH verweisen auf die wachsende Bedeutung von KI-Kompetenz in Leadership und Transformation. Führungskräfte müssen neue Technologien, hybride Arbeitsformen und deren Auswirkungen auf Kommunikation und Entscheidungen verstehen. Ohne dieses Verständnis verliert Führung an Steuerungsfähigkeit.

Kein Führungs-, sondern ein Übersetzungsproblem

Roman Rackwitz, Gründer der Engaginglab GmbH, beschreibt Deutschlands Problem als Übersetzungsdefizit statt Führungsdefizit. Millionen Menschen übernehmen im Ehrenamt Verantwortung, können diese Erfahrung im Unternehmensalltag aber oft nicht entfalten. Unternehmen sollten Rahmenbedingungen schaffen, in denen Verantwortung möglich wird, statt sie durch unnötige Prozesse zu blockieren.

Leadership als Systemleistung

Die Diskussion macht deutlich: Leadership in Deutschland ist keine Einzelleistung. Sie entsteht im Zusammenspiel von Menschen, Strukturen, Kultur und Organisationsarchitektur. Entscheidend sind Followership, psychologische Sicherheit, Lernfähigkeit, KI-Kompetenz und wirksames Organisationsdesign.

Zukunft Personal führt die Debatte auf der Zukunft Personal Europe in Köln fort. Dr. Frederik G. Pferdt spricht am 17. September auf der Keynote Stage über Zukunftsgeist. Katharina Bähr gibt am 16. September Impulse zu Modern Leadership.

Mehr Informationen zu: „ZP Nachgefragt“ und Aufzeichnungen.

Alle Informationen zum Gesamtprogramm der ZP Europe 2026 hier

Detaillierte Hintergrundinformationen zum Beitrag auf IchSagMal.com, dem Blog von Wirtschaftpublizist Gunnar Sohn.

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