Die saarländische Tourismusbranche blickt weiterhin mit Sorge auf ihre wirtschaftliche Entwicklung. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Saisonumfrage Tourismus der IHK Saarland, an der sich im November rund 160 Unternehmen aus Beherbergung und Gastronomie mit insgesamt rund 4.200 Beschäftigten beteiligt haben. Die Auswertung der Unternehmensantworten macht deutlich, dass sich die Lage nach der Sommersaison nicht nachhaltig stabilisiert hat. Vielmehr prägen eine schwache Nachfrage, hohe Kostenbelastungen und eine ausgeprägte Unsicherheit die wirtschaftlichen Einschätzungen vieler Betriebe.

„Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen deutlich: Die wirtschaftlichen Spielräume der Betriebe sind weitgehend ausgeschöpft. Hohe Kosten, eine schwache Nachfrage und anhaltende Unsicherheit setzen die Unternehmen massiv unter Druck. Viele Betriebe sichern derzeit nur noch den laufenden Betrieb – für Investitionen, Personalaufbau oder Weiterentwicklung fehlt ihnen der Spielraum. Die seit dem 1. Januar geltende Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie von 19 auf 7 Prozent reicht nicht aus, um die strukturellen Belastungen aufzufangen. Ohne spürbare Entlastungen bei Arbeits-, Bürokratie- und Energiekosten droht ein weiterer Substanzverlust in der Branche“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé.

Die Belastungen treffen die einzelnen Teilbranchen unterschiedlich stark. Während das Beherbergungsgewerbe seine aktuelle Geschäftslage vielfach noch als tragfähig, wenn auch spürbar abgeschwächt einschätzt, fällt die Bewertung in der Gastronomie deutlich kritischer aus. Diese Spreizung zeigt sich durchgängig über nahezu alle abgefragten Themenfelder hinweg und prägt zunehmend das Gesamtbild der Tourismuswirtschaft im Saarland.

Bei der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage berichten Hotels häufiger von einer zumindest befriedigenden Situation, während in der Gastronomie negative Einschätzungen überwiegen. Rund ein Drittel der gastronomischen Betriebe bewertet die eigene Geschäftslage aktuell als schlecht, während dieser Anteil im Beherbergungsgewerbe deutlich niedriger liegt. Entsprechend fällt auch die Bewertung des Umsatzes insgesamt aus. In der Gastronomie rechnet knapp die Hälfte der Betriebe mit rückläufigen Umsätzen, während es der Hotellerie häufiger gelingt, das Umsatzniveau zumindest zu stabilisieren. Gleichzeitig geben rund 40Prozent der Betriebe branchenübergreifend an, dass sie ihre Preise zuletzt nicht weiter anheben konnten, ohne spürbare Nachfrageverluste zu riskieren.

Schwache Ertragslage verringert finanzielle Spielräume

Ein weiterer struktureller Schwachpunkt bleibt der Umsatz mit Geschäftsreisen. Sowohl im Beherbergungsgewerbe als auch in der Gastronomie wird dieser Bereich weiterhin verhalten beurteilt. Mehr als 50 Prozent der Hotels gehen davon aus, dass die Umsätze mit Geschäftsreisenden, Tagungen und dienstlichen Anlässen auch in den kommenden Monaten unter dem früheren Niveau bleiben werden. Damit fehlt vielen Betrieben ein wichtiger Ertragspfeiler, der in der Vergangenheit zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage beigetragen hat.

Die anhaltend schwache Ertragslage schlägt zunehmend auf die finanzielle Situation der Betriebe durch. In beiden Branchensegmenten berichten zahlreiche Unternehmen von einer angespannten Finanzlage. Besonders ausgeprägt ist der Druck in der Gastronomie, wo rund 45 Prozent der Betriebe angeben, dass sich ihre finanzielle Situation zuletzt verschlechtert hat. Steigende Personal-, Energie- und Wareneinsatzkosten treffen dort auf begrenzte Möglichkeiten zur Weitergabe an die Gäste. Rücklagen wurden vielfach bereits weitgehend aufgebraucht, Liquiditätsspielräume schrumpfen und die wirtschaftliche Stabilität vieler Betriebe gerät zunehmend unter Druck.

Äußerst verhaltene Geschäftsaussichten

Vor diesem Hintergrund bleibt auch der Blick auf die kommenden Monate verhalten. Lediglich rund zehn Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage, während mehr als ein Drittel von einer weiteren Verschlechterung ausgeht. Besonders ausgeprägt ist diese Skepsis in der Gastronomie. Dort erwarten über 40 Prozent der Unternehmen stagnierende oder weiter rückläufige Umsätze.

Der wirtschaftliche Anpassungsdruck zeigt sich zunehmend auch bei der Beschäftigungsentwicklung. In der Gastronomie rechnen 43 Prozent der Betriebe mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahl, während nur elf Prozent einen Personalaufbau erwarten. In der Hotellerie gehen dagegen lediglich 15 Prozent von einem Personalabbau aus – neun Prozent rechnen mit Personalaufbau und 76 Prozent mit einer gleichbleibenden Personalstärke.

Als größtes Geschäftsrisiko nennen die Betriebe die anhaltend hohe Kostenbelastung. In der Gastronomie sehen mehr als zwei Drittel der Unternehmen die stark gestiegenen Energie-, Lebensmittel- und Rohstoffpreise als zentrales Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung. Rund 60 Prozent nennen zudem die hohen Arbeitskosten als erhebliche Belastung, während etwa jeder zweite Betrieb den Fachkräftemangel als gravierendes Problem beschreibt. Rund ein Drittel der Unternehmen spürt die verhaltene Konsumentennachfrage als Folge der dreijährigen Rezession inzwischen deutlich. Zunehmend kritisch bewertet werden auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, insbesondere die überbordende Regulatorik: rund ein Drittel der Betriebe sieht hierin ein erhebliches Geschäftsrisiko.

Diese Unsicherheit spiegelt sich unmittelbar in den Investitionsabsichten wider. Rund 40 Prozent der Betriebe rechnen in den kommenden Monaten mit gleichbleibenden Investitionsausgaben, während etwa ein Drittel geringere oder gar keine Investitionen plant. Lediglich rund 15 Prozent der Unternehmen beabsichtigen, ihre Investitionen auszuweiten – überwiegend jedoch zur Sicherung des laufenden Betriebs oder zur Effizienzsteigerung. Erweiterungsinvestitionen bleiben die Ausnahme.

Vor diesem Hintergrund erwarten die Unternehmen auch von der Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie keine grundlegende Entlastung bei den Preisen. Rund 70 Prozent der gastronomischen Betriebe gehen davon aus, dass die Verzehrpreise gleich bleiben werden, während knapp 30 Prozent sogar mit weiteren Preissteigerungen rechnen. Angesichts des anhaltend hohen Kosten- und Lohndrucks fehlen vielfach die finanziellen Spielräume für Preissenkungen.

„Viele Unternehmen haben ihre internen Möglichkeiten bereits ausgeschöpft. Investitionen, Beschäftigung und Weiterentwicklung lassen sich nur sichern, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spürbar verbessert werden und unternehmerische Entscheidungen wieder planbar werden. Die Politik muss alles unterlassen, was die Kosten weiter in die Höhe treibt und zugleich dazu beitragen, neue Reiseanlässe ins Saarland zu schaffen“, sagt Thomé.

Die Saisonumfrage Tourismus der IHK Saarland erscheint in der Regel zweimal jährlich und ergänzt die allgemeine Konjunkturumfrage um branchenspezifische Fragestellungen für Beherbergung und Gastronomie.

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