Dass wir so viele Gemeinsamkeiten finden würden, hätte wohl keiner von uns im Vorfeld angenommen!“ Wenn Victoria Reichardt von ihren Erfahrungen der zurückliegenden Wochen berichtet, beginnt sie unwillkürlich zu lächeln. Spannend sei es gewesen, und auch anstrengend, ergänzt ihr Kollege Enes Bardakci. Kein Wunder, denn zusammen mit zehn weiteren Kollegen wagten die beiden Auszubildenden von thyssenkrupp Steel den Sprung in ein völlig anderes berufliches Metier: Im Rahmen einer Sozialen Woche tauschten die angehenden Verfahrens- und Zerspanungsmechaniker ihre gewohnten Abläufe im
Duisburger Technikzentrum gegen den Berufsalltag in zwei Einrichtungen der Evangelischen Altenhilfe Duisburg. Ihr gemeinsames Fazit: „Wir haben sehr viel im Umgang mit älteren Menschen gelernt. Diese Arbeit fordert einen ganz anders als das, was wir aus unserem Ausbildungsalltag in der Werkstatt kennen. Am tollsten aber war, wie viel Persönliches wir uns gegenseitig mitgegeben haben.“ Denn viele Bewohner teilen eine Gemeinsamkeit mit den jungen Menschen, die anfängliche Berührungsängste schnell vergessen ließ: Fast alle haben selbst als Ehemalige oder Verwandte von Mitarbeitern eine Bindung zum benachbarten Duisburger Stahlwerk.

Arbeit, Fußball, Leben in Duisburg: Szenenwechsel in der Rückschau

Die soziale Woche ist bei thyssenkrupp Steel fester Bestandteil der Ausbildung. Sie soll den Nachwuchskräften ermöglichen, in eine andere Berufswelt einzutauchen und das Leben von einer anderen Seite kennen zu lernen. So auch in diesem Sommer: Für fünf Tage wurden zwei Altenpflegeeinrichtungen in Beeck und Walsum zur Arbeitsstätte der 18- bis 21-Jährigen; sie halfen insbesondere bei den Mahlzeiten und verschiedenen Freizeitaktivitäten. Und immer wurden mit den Bewohnern nebenbei über Technisches fachgesimpelt und Anekdoten aus dem Werk ausgetauscht – sei es beim Sommerfest, beim gemeinsamen WM-Fußballerlebnis oder bei einem langen Spaziergang zum Grüngürtel in Bruckhausen, von dem aus das Werksgelände ins direkte Blickfeld rückt. „Manche Unternehmungen waren so spontan nur dank der zwölf Azubis möglich“, berichtet Anja Schmid von der Evangelischen Altenhilfe Duisburg. „Wir konnten die helfenden Hände sehr gut brauchen. Und unsere Senioren hatten ungemein viel Freude an den verschiedenen Aktivitäten, zumal sie sehr gerne über ihre Vergangenheit mit und bei thyssenkrupp sprechen.“ So wurde die gemeinsame Zeit nicht nur zum Szenen-, sondern auch zum Perspektivwechsel sowohl für Jung als auch für Alt.


Soziale Woche als fester Ausbildungsbestandteil bei thyssenkrupp: Horizonte erweitern, Neues erfahren, eigene Positionen überdenken

Auch in den Augen von Fachkoordinator Wolfgang Smolarczyk, der die Auszubildenden am Duisburger Standort begleitet, ist die Kooperation mit der Evangelischen Altenhilfe Duisburg ein voller Erfolg. Bereits zum zweiten Mal fand die Soziale Woche in zwei ihrer Einrichtungen statt, „aber es ist immer wieder eine Überraschung, welche spezielle Dynamik sich entwickelt und was alle Beteiligten für sich mitnehmen“. Für ihn bietet die Idee der Sozialen Woche eine Riesenchance: „Diese Erfahrung gibt den jungen Leuten eine einzigartige Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und zu entfalten. Sich für etwas Neues zu öffnen, auf seine Mitmenschen zu achten und Verantwortung zu übernehmen, das ist ein großer Schritt ins Erwachsenenleben.“ Das Resümee der diesjährigen Teilnehmer gibt ihm recht: „In dieser Woche haben wir viel Wertschätzung erfahren und gleichzeitig gelernt, unsere eigene Situation zu relativieren“, fasst Enes Bardakci zusammen. Und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Evangelischen Altenhilfe Duisburg, ebenso wie die Bewohner der Häuser in Beeck und Walsum, konnten sich über „eine fantastische Unterstützung freuen“, unterstreicht Anja Schmid.

Dass sowohl die Auszubildenden als auch die Senioren so viele Anknüpfungspunkte finden würden, stand im Vorfeld gar nicht im Fokus, war aber von unschätzbarem Wert – denn: „Eine solche Entwicklung kann man nicht erzwingen, aber so ist das halt bei uns in Duisburg und in der Region“, schmunzelt Wolfgang Smolarczyk. „Ob Jung oder Alt, ob Azubi oder Ehemaliger – unter Nachbarn findet sich schnell ein gemeinsamer Nenner. In diesem Fall ist es das Werk selbst, das die Menschen verbindet.“ Eine tolle Atmosphäre, Gemeinschaftsgefühl und Sorge füreinander inklusive.

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